Im Jahre 1906 wurden erste Geldstücke für eine eigene Pfarrkirche im sogenannten Schlachthofbezirk, dem westlichen Teil der Marienpfarrei, gesammelt. Damals rechnete niemand damit, dass bis zur Verwirklichung dieses Vorhabens fünf Jahrzehnte verstreichen würden. Spätestens seit der Gründung des Arbeitervereins St. Josef im Jahre 1908 stand auch schon der Name der neuen Kirche fest: St. Bonifatius. Nach dem Kirchenvorstand St. Marien erteilte 1915 auch das Erzbischöfliche Generalvikariat in Köln seine Zustimmung zum Bau der Kirche. Doch dann kam alles anders. Krieg und Währungskrise überholten die Koste 

Die Katholiken im Schlachthofviertel wuchsen in der Zwischenzeit zu einer Gemeinde zusammen und so entstand im Jahre 1956 der Kirchbauverein Heilige Familie, der auch Namensgeber für die künftige Kirche wurde. Die städtebauliche Lage förderte die Gemeindebildung, Halden des Bergbaus und Eisenbahndämme schlossen den Ortsteil fast wie ein Gebirgsdorf zusammen. Am Christkönigsfest 1957 wurde der Grundstein gelegt. Aus Verbundenheit mit der Mutterpfarrei wurde der Grundstein aus einem Stein der St. Marienkirche gefertigt und am 13. Dezember 1958 weihte Dr. Franz Hengsbach, der erste Ruhrbischof, die neue Kirche ein.

Als 1955 der Kirchbaumeister Professor Rudolf Schwarz die Planung für den Kirchbau übernahm, entstand eine Kirche, die nicht nur der Heiligen Familie geweiht ist, sondern in der das Volk wirklich als Heilige Familie zusammen kommt an drei Seiten um den Altar als den Tisch des gemeinsamen Mahls. Dies war damals die Vorwegnahme eines Konzeptes, das erst 7 Jahre später auf dem II. Vatikanischen Konzil formuliert wurde: Das Volk Gottes schart sich um den Altar herum. Im Kirchbau bisher gab es in der Regel die anonymere Form des Langhauses („Prozessionskirche“), mit nur einer Blickrichtung auf den Altar hin.

Den Hauptraum bildet ein großes Quadrat von rund fünfundzwanzig Metern Seitenlänge, der Altar steht in der Mitte, eine quadratische Platte auf einer mächtigen Säule. Die Gemeinde umgibt ihn auf drei Seiten. Die vierte Seite wird vom Chor der Sänger und der Orgel eingenommen. Um alles herum ist eine neun Meter hohe Wand angelegt.

Bis über Menschenhöhe ist sie aus Backstein gemauert und völlig geschlossen, eine Mauer, die das Volk zusammenhält. Darüber ist alles licht, ein durchlässiges Maßwerk aus Formsteinen, in der eine herrliche Verglasung von Wilhelm Buschulte eingearbeitet ist. Sie besteht nicht aus einzelnen Bildern, sondern bildet einen rundum strahlenden Horizont aus nur farbig erstrahlendem Licht, das sich an manchen Stellen aufhellt, an anderen in dunklen Farben verglüht.

Die Decke strebt von allen Seiten zur Mitte hin. Vier schlanke Betonstützen grenzen den Altarraum ein und bilden mit den Gratbalken der Betondecke, die über dem Altar zu einem Ringbalken zusammengeschlossen sind, eine Art Baldachin.

Eine kleine Nebenkirche ist dem großem Gottesdienstraum für die Werktags-Gemeinde vorgelegt. Sie ist nicht hoch und hat einen kleinen Altar, der durch ein Fenster mit dem Hochaltar verbunden ist. Diese Nebenkirche beherbergt auch die Beichtstühle und das Taufbecken. So hat sie einen vorbereitenden Dienst, man bereitet sich werktags auf den Sonntag vor. Eine große Vorhalle mit Weihwasserbecken, Schriftenstand und einer Tafel für Bekanntmachungen dient gleichzeitig als Windfang. Vor ihr liegt der Hof. Er schiebt sich zwischen Kirche und Straße und kann auch liturgisch genutzt werden, zum Beispiel für das Osterfeuer.

Bemerkenswert ist der von Friedrich Gebhardt gestaltete Tabernakel aus Bronze, er wiegt 2,5 Zentner, mit einem Gürtel aus 48 Edelsteinen. Es sind dies rote und grüne Turmaline, Bergkristalle, Aquamarine, Amethyste und Goldtopase.
 

Auch das Altarkreuz über dem Altar von Wilhelm Polders sen. und die zwölf Apostelplastiken von Oswald Demetz-Deur verdienen Beachtung. Ein wahres Schmuckstück ist die Monstranz, die der Pfarrgemeinde Heilige Familie geschenkt und Anfang des 19. Jahrhundert in einer Düsseldorfer Werkstatt gefertigt wurde.

Im Jahr 1961 wurde die Orgel eingeweiht. Sie stammt von der Orgelbauwerkstatt Ernst Seifert in Bergisch – Gladbach. Sie umfasst 24 Register (2 Manuale und ein Pedal) und hat insgesamt 1480 Pfeifen.

Am 01.08.2003 wurde die Rektoratspfarrei Heilige Familie aufgelöst und mit der Pfarrgemeinde St. Katharina vereinigt. Mit großer Anteilnahme feierten die Gläubigen am 10.06.2007 in der Kirche die letzte heilige Messe, die damit außer Dienst gestellt wurde.

Seit 2008 beherbergt die Kirche als sogenannte Tafelkirche die Oberhausener Tafel, die hier Lebensmittel an bedürftige Menschen verteilt. Auch wenn jetzt keine Gottesdienste mehr in der Kirche gefeiert werden, entspricht sie so immer noch ihrem ursprünglichen Auftrag, die Menschen um den Tisch des Lebens zu versammeln. 

 

 

Text aus Archivquellen zusammengestellt:

                              Heinz Bernd Diepmans und  Pfarrer Thomas Eisenmenger

 Fotos:                     Pfarrer Thomas Eisenmenger

 Seitengestaltung:      Wolfgang Dören